„Das ist mir alles zu psychologisch." - #umdenkbar


Erst vor kurzem, hat ein weiblicher CEO diesen Satz zu mir gesagt: „Das ist mir alles zu psychologisch.“ Wie oft höre ich diesen Satz und immer wieder finde ich diese Aussage so interessant.


Lass uns doch kurz noch mal einen Blick darauf werden, was die Psychologie tut:


"Die Psychologie (griechisch-lateinisch psychologia, ‚Lehre von der Seele‘) ist eine empirische Wissenschaft. Ihr Ziel ist es, menschliches Erleben und Verhalten, deren Entwicklung im Laufe des Lebens sowie alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen zu beschreiben und zu erklären."


Ist doch Interessant, oder? In den Unternehmen beschäftigen wir uns mit sehr komplizierten technischen Aspekten, Maschinen, Fahrzeugen, Stoffen, Abläufen, Prozessen, Computern, Digitalisierung…. Wir tun das, weil wir uns damit auseinandersetzen, lernen und verstehen. Es wird zum Teil unseres Lebens, dem wir uns intensiv widmen. Niemals würde ein Unternehmer, der Maschinen entwickelt, baut und vertreibt, sagen, dass ihm das zu „technisch“ sei. Es ist ja schließlich sein tägliches Business. So wird er dafür sorgen, dass es den Maschinen, die er selbst in seinem Unternehmen hat, „gut geht“. Er weiß, wie sie funktionieren, was sie brauchen, um zu funktionieren. Er lässt sie warten, pflegt sie. Schafft so neue Maschinen, Werkzeuge oder was auch immer. Großartig. Hören wir ihn davon erzählen, ohne dass wir wirklich wissen, wovon er tatsächlich spricht, ist es möglich, dass wir zuweilen denken können, er spräche von einer Liebesbeziehung.


Mir stellt sich dann gleich eine Frage: Ist ihm eigentlich bewusst, was das gerade mit ihm macht? Nun, wer mich kennt, weiß, dass ich gleich mehrere Fragen habe. Was treibt ihn denn tatsächlich an? Was ist seine Motivation? Weiß er, warum er tut, was er tut? Weiß er, oder anders formuliert, ist ihm bewusst, wie er sich dabei verhält? Ich finde ja, dass das sehr interessante Fragen sind.


Doch zurück zum Thema. Was ist denn letztlich das Unternehmen? Ich weiß, dass wir auch hier ganz tolle, formelle Beschreibungen haben. Doch was ist es denn wirklich? Es ist doch ein Zusammenspiel von mehreren Menschen, die für andere Menschen etwas schaffen (einen Mehrwert). Menschen, die gemeinsam etwas entwickeln, gestalten, umsetzen. Menschen, die Maschinen bedienen, warten und pflegen. Menschen, die Zahlen zusammenfassen, auswerten. Menschen die verkaufen, was wir schaffen. Menschen, die beraten.


Beschäftigen wir uns auch damit, wie die funktionieren? Wissen wir, was die wirklich brauchen? Verstehen wir die wirklich? Wissen wir, was sie motiviert, worin sie ihren Sinn sehen? Wissen wir überhaupt, was Motivation wirklich ist und wie sie entsteht? Was wollen sie für sich erreichen? Was treibt sie an? Was bewegt sie? Kurz und ehrlich: Nein, nicht wirklich.


Wow. Wir wissen wir mehr über die Technik, als über die Menschen, die sie entwickeln, damit arbeiten, sie vertreiben, oder was auch immer sie als Teil des Unternehmens für das Unternehmen tun.


Dabei ist das vielleicht gar nicht wirklich so kompliziert wie wir glauben (denken). Und dennoch schauen wir da weg. Schnell ist dann alles zu psychologisch. Vielleicht hat das ja etwas damit zu tun, dass wir uns selbst nicht so wirklich verstehen. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, dass wir genau da lieber nicht so tief reinschauen wollen, weil wir dann unsere eigenen Glaubenssätze und Werte hinterfragen werden. Da nutzen wir doch lieber das, was die Psychologie zu bieten hat, maximal für den Bereich, wo wir andere so manipulieren, beeinflussen können, dass sie schneller unsere Waren, Produkte, Dienstleistungen kaufen. Wozu sollte es gut sein, dass Du Dich selbst besser verstehst, oder Dein Mitarbeiter? Letztlich weißt Du doch genau wie sie funktionieren. Denen muss man sagen, was sie zu tun haben und dann kontrollieren, dass sie es auch tun. Und Du kannst dann ja wohl auch erwarten, dass sie dankbar sind, weil Du ihnen ja schließlich so vieles gibst. Und schließlich ist jeder ersetzbar.


Ich weiß, dass das alles umdenkbar ist. Ich weiß, welches Potential in den meisten Unternehmen brach liegt und ungenutzt bleibt. Wir werden all das nutzen können, wenn wir die Menschen besser verstehen und wissen, warum sie tun, was sie tun. Dann werden wir auch wissen wie wir gemeinsam viel mehr erreichen können. Dazu brauchen wir nicht gleich Psychologie zu studieren. Ich weiß jedoch auch, dass wir dazu vieles von dem, was für uns als so unumstößliche Wahrheiten gilt, umdenken können, weil wir dann auch wirklich etwas verändern können und werden. Wir werden keine Unternehmenskultur nachhaltig verändern, wenn wir sie nicht wirklich verstehen und wenn wir uns nicht wirklich bewusst sind, was diese Kultur mit uns zu tun hat, welchen Einfluss wir auf diese Kultur haben und wie wir sie prägen. Vielleicht sind sogar Deine Zweifel hieran etwas, was sich durchaus erklären lässt. Zumindest wird es doch sicher interessant sein, zu verstehen, was Dich zweifeln lässt, oder? Wenn Du etwas verändern willst in Deinem Unternehmen, dann ist es wohl gut, wenn Du Klarheit darüber bekommst und bei Dir beginnst.


Ich freue mich auf den Austausch mit Dir hierzu.


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